Glamping und Kaffeekultur in Salento

Wir verabschiedeten uns von der hitzigen Karibikküste und nahmen gestern einen weiteren Inlandsflug von Cartagena nach Cali, um von dort aus den Bus nach Armenia (nicht zu verwechseln mit dem Land Armenien ;-) ) und letztlich einen zweiten Bus nach Salento zu nehmen. Dieser lud uns im Dunkeln auf dem verregneten Marktplatz ab. Dieser lag still und verlassen da, obwohl es gerade mal halb 9 war. Wir hatten ein Hotel außerhalb des Ortes reserviert, jedoch stand keiner der angekündigten Jeeps mehr da, die einen dort hinbringen konnten. Also liefen wir im Regen los, doch kurze Zeit später gabelte uns unterwegs glücklicherweise doch noch einer dieser alten Willy-Jeeps aus Zeiten des 2. Weltkriegs auf. Im Hotel wurden wir zu unserem Doppelzimmer geführt – einem Luxuszelt mit Parkett, Strom, richtigem Bett und eigener Terrasse. Judith und ich waren amüsiert, dass wir den neuen „Glamping“-Trend (Abkürzung für glamoröses Campen) unbeabsichtigt ausprobieren konnten. Auf jeden Fall war es das Hotelzimmer mit der besten Aussicht, welches wir je in Kolumbien hatten.

Nach der Nacht im Zelt, welche von stetigen Geräuschen der Regentropfen auf dem Dach begleitet war, genossen wir das reichhaltige Frühstück in unserer Unterkunft (sie heißt übrigens „La Serrana“ und ist echt zu empfehlen). Hier gab es endlich mal richtigen Naturjoghurt, dem nicht gefühlte 100 Gramm Zucker zugesetzt wurden und frische Milch direkt von der anliegenden Milchfarm. Insgesamt ist die Gegend aber auch ein Traum für Kühe (weswegen es hier vermutlich auch so viele davon gibt). Das Gras ist so grün, wie wir es nur aus dem Frühling kennen und steht so hoch, das die Kühe aus dem Fressen nicht mehr herauskommen (dieses Bild entstand übrigens auch auf unserer Zeltterrasse :-) )

Frisch gestärkt wanderten wir in Richtung Kaffeeplantagen, welche das Bild die Gegend hier stark prägen. Außerhalb von Salento fädeln sich die Kaffeefarmen wir Perlen auf eine Kette. Alle bieten Kaffeetouren und ihre Kaffeespezialitäten zum Kauf an.

Wir entschieden uns für eine Tour auf der Kaffeefarm „El Ocaso“, welche uns zuerst auf die Plantage selbst führte. Wir bekamen einen Einblick, wie lange eine Kaffeebaum braucht, um die ersten Früchte zu tragen und was für die kommerzielle Nutzung wichtig ist. Da momentan die erste Ernte im Jahr beginnt, wurden wir kurzzeitig zum Erntehelfer und durften selbst die roten und teilweise auch gelben Kaffeefrüchte ernten (die gelbe Sorte ist nur sehr selten verbreitet und ist eine Spezialität der besuchten Kaffeefarm). Unsere Ausbeute nach 5 Minuten pflücken seht ihr auf dem Foto.

Zurück in der Kaffeefarm wurde uns der Produktionsprozess erläutert. Eine Kaffeefrucht besteht aus zwei Kaffeebohnen, welche von einer schleimigen, sehr süß schmeckenden Schicht bedeckt ist. Die Kaffeebohnen werden durch eine Maschine von der Fruchtschale getrennt (hier noch anhand einer alten, manuellen „Trennmaschine“), gewaschen, getrocknet und wiederum von der Schale, die die Kaffeebohne direkt umgibt befreit.

Jetzt beginnt die Aschenputtel-Tätigkeit. Per Hand werden die perfekten Bohnen von den weniger guten Bohnen (da sie z.B. von Maden befallen sind) getrennt. Die guten Bohnen gehen fast ausschließlich in den Export. Nicht umsonst ist Kolumbien der drittgrößte Exporteur von Kaffee nach Brasilien und Vietnam. Der schlechte Kaffee bleibt größtenteils in Kolumbien. Leider kann sich der Großteil der Kolumbianer ihren eigenen, sehr guten Kaffee nicht leisten, weswegen sie auf den günstigen zurückgreifen. Daher ist es in Kolumbien auch echt schwer, in Restaurants oder Cafés einen guten Kaffee zu bekommen. Meist wird einem sogar ein löslicher Nescafé gereicht. Brrr. Eine gute Alternative ist die Kaffeekette „Juan Valdez“, die man fast im ganzen Land finden kann (was man zum Glück nicht findet ist Starbucks :-) ).

Nachdem wir uns bei „El Ocaso“ mit richtig gutem Kaffee eingedeckt hatten, taten wir das gleiche noch bei „Don Elias“ (eine kleine familiengeführte Kaffeefarm). Dort hingen wir mindestens eine Stunde fest, da uns Natalia, eine Tochter von Don Elias, ziemlich viel über ihre Karriere als Musikerin, die (nicht treuen) kolumbianischen Männer und ihren bevorstehenden Auftritt am Abend zu berichtete. Wir amüsierten uns köstlich über Natalias Redefluss und ihre Männergeschichten. Ihr Mann darf zum Ausgehen nur in eine einzige Bar in Bogota (da wohnt sie eigentlich) gehen, weil sie den Besitzer kennt. Wenn sie nicht in der Stadt ist, hat sie 12 Freundinnen, die ihn überwachen, ob er wirklich in der besagten Bar oder zu Haus ist. Soviel zum Thema Vertrauen in einer Beziehung ;-) Sie überließ uns noch zwei von ihren CDs und animierte uns, am Abend zu ihrem Auftritt zu kommen. Da wir jedoch keine Lust auf betrunkene Kolumbianer auf einem Dorffest hatten (danach klang das Fest, von dem sie erzählte), wählten wir lieber die harmlose Variante an dem Abend. Wir besuchten die kostenlose Salsastunde in einer Bar in Salento und lernten dort eine ziemlich nette Gruppe von Koumbianer/innen und (natürlich auch mal wieder deutschen) Touristen kennen. (Auf dem Bild seht ihr übrigens eine der Einkaufsstraßen von Salento)

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