Ciudad Perdida III: 1.260 Stufen und ein Militärhubschrauber

Heute war es nun soweit – wir erreichten die Ciudad Perdida. Bevor wir die zahlreichen Terrassen der längst vergangenen Stadt aber besteigen konnten, mussten wir ein letztes Mal durch den Rio Buritaca, der wohl ein paar Tage vorher so stark angeschwollen war, dass einigen Gruppen der Marsch zur verlorenen Stadt verschlossen blieb. Wir hatten Glück. Strahlte die Sonne heute doch an einem wolkenlosen, blauen Himmel.

Aber damit war es noch nicht geschafft. 1.260 Steinstufen mussten noch erklommen werden, bevor wir die ersten der zahlreichen Terrassen der Ciudad Perdida erreichten. Auf diesen standen früher die runden, aus Lehm, Holz und Palmenbälttern gebauten Wohnhäuser der Tayrona. Starb ein Familienmitglied, wurde es unter dem Haus mit zahlreichen Grabbeigaben beigesetzt. Genau diese Grabbeigaben befeuerten den Ansturm auf die Cidudad Perdida in den 70er Jahren. Ausgrabungen sind mittlerweile verboten (auch für Archeologen) und es werden lediglich neue Terrassen freigelegt, um die imense größe dieser verlorenen Stadt zu verdeutlichen.

Auf dem Weg zur Hauptterrasse zeigte uns Daniel, unser Guide, noch diese Landkarte Sierra Nevada de Santa Marta. Eine Stelle hat eine deutliche, fingergroße Vertiefung, welche den Standort der Ciudad Perdida anzeigt.

Wir erreichten als letzte Wandergruppe die Hauptterrasse, auf der genau in diesem Moment ein riesiger Militärhubschrauber landete. Wir staunten nicht schlecht und sahen den Soldaten dabei zu, wie sie die neuen Essenvorräte und andere Dinge aus dem Hubschrauber in ihr Camp transportieren. Und dann wurde die allgemeine Fotostunde eröffnet. In vielen von mir bereisten Ländern ist es verboten, Militärische Einrichtungen jeglicher Art zu fotografieren. Ganz anders in Kolumbien. Unsere gesamte Wandergruppe (leider fehlt nur einer von den ältere Kanadiern) durfte sich ohne Probleme vor dem Hubschrauber positionieren, wobei einige Soldaten auch unbedingt mit auf das Bild mit drauf wollten (gefolgt von Fotos, die die Soldaten gern von sich und präfieriert den weiblichen Touristen machen ließen ;-) ).

Selbst der Blick in den Hubschrauber wurde uns gewährt und dieses Mal gesellten sich auch noch ein paar Indios mit zu unserem Gruppenbild mit dazu (für sie schien diese Begegnung wohl auch nicht ganz alltäglich gewesen zu sein ;-) ).

Als der Helikopter wieder verschwunden war, genossen wir den unverstellten Blick auf die Ciudad Perdida vom höchsten Punkt der Terrassen aus und wurden mit einem riesigen Teller Süßigkeiten für das Erreichen unseres Zieles belohnt.

Nach dem Mittagessen im Camp „El Paraiso“ traten wir den Rückweg an. Leider gibt es nur einen Weg zur verlorenen Stadt, sodass man den gleichen Weg zwei Mal laufen muss (ein anderer Weg ist wohl gerade in Arbeit). Langsam zog es sich zu und die Sonne verschwand hinter dunklen Gewitterwolken. Als wollte uns der Dschungel zeigen, was er wettertechnisch alles kann, musste heute noch ein ordentlicher Regenguss her. Nach ca. 2 Stunden wandern ergoss sich gefühlt der gesamte Himmel über der Sierra Nevada und das Wasser lief nicht nur an uns wie Sturzbäche herunter, sondern naütrlich auch die vormals matschigen Wege. Es dauerte nicht lange, bis unsere Schuhe und Socken komplett durchnässt waren. Der Rest von uns und unsere Rucksäche zum Glück nicht, da wir uns noch rechtzeitig ein Regenponcho übergezogen hatten. Einige Abstiege hatten es in sich, denn wir mussten jetzt noch mehr aufpassen, nicht auszurutschen. Anderen Wanderern war mittlerweile alles egal. Einer setzte sich einfach auf seinen Hosenboden und schlitterte so den Berg hinunter. Ein anderer mimten einen Surfer nach und rutschte an uns vorbei. Wir schafften es ohne größeren Zwischenfall nach unten und obwohl der Sturzregen auch noch für den restlichen Tag (und damit eine Wanderung von ca. 2 Stunden) anhielt, sank unsere Stimmung kein bisschen. Wir kamen fast schon beschwingt in unserem letzten Nachtcamp an. Umso schöner war dann auch das Gefühl, nach einer Dusche in warme und vor allem trockene Sachen schlüpfen zu können :-)

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