Ciudad Perdida II: Die verloren gegangenen Touristen


Noch in der Dunkelheit gingen die Lichter im Camp an und wir mussten enttäuscht feststellen, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Dschungel einfach gar nichts trocknet. So verschwand der Bikini genauso pitschnass im Rucksack, wie ich ihn den Abend zuvor aufgehangen hatte. Zudem schlüpfte ich erneut in die nassgeschwitze Wanderhose vom Vortag (wir hatten nur die nötigsten Wechselklamotten dabei, um möglichst leichtes Gepäck beim Wandern zu haben). Nach einer halben Stunde wandern war aber auch diese wieder trocken. Heute ging es so richtig in den Dschungel. Der Weg war stets überdacht durch ein dickes Blätterwerk. Die verschiedensten Bäume erhoben sich über uns in Richtung Himmel und in der Ferne zogen Nebelschwaden durch die Gipfel des Dschungels.

Der Himmel zog sich immer mehr zu und es fing langsam aber stetig an zu nieseln, was während des Wanderns bei ca 30 Grad Hitze sehr erfrischend war. Ebenso erfrischend waren die regelmäßigen Wassermelonepausen. An kleinen Stationen auf dem Weg wartete auf jede Gruppe eine große Melone und gleichzeitig war es auch wieder ein Sammelpunkt für die Gruppe (Judith und ich liefen meist allein, da wir uns nicht stressen wollten und weit hinter uns waren eh immer noch die älteren Kanadier). Heute gab es für Maria (ein der Regensburger Mädels) sogar eine kleine Salsastunde von Victor (unserem Übersetzer) ;-).

Der Regen ließ heute noch viel größere Schlammwege entstehen. Versuchten wir diese gestern noch möglichst zu umgehen, gab es heut meist keine andere Möglichkeit, als mitten hindurch zu laufen. Irgendwann hoben sich meine Schuhe kaum noch von den Schlammmassen ab. Solange wir nicht ausrutschten, war alles fein (Judith hat es einmal hingelegt, aber bis auf ein paar kleine Schürfwunden an der Wade ist nichts passiert). Die Ansprüche verschieben sich schnell in der Wildnis und man ist überrascht, wie wenig es für einen schönen Tag braucht.

So liefen wir beschwingt im mal mehr mal weniger starken Nieselregen weiter, durchwateten mehrere mehr als knietiefe Flüsse (Im tiefsten Fluss büßte ich aufgrund der starken Strömung einen meiner Flipflops ein) und passierten tiefgrüne Weiden, die einen Rundumblick in die Umgebung gewährten.

Neben der vielen Natur gibt es aber auch vereinzelt indigene Siedlungen auf dem Trek zu sehen. Insgesamt sind noch drei indigene Stämme in der Sierra Nevada de Santa Marta ansässig, die sich sehr unterschiedlich der Zivilisation angepasst haben. So sieht man unterwegs nicht selten Indios, die in einem weißen Gewand mit einem Hut bedeckt und einer grob gewebten Umhängetasche barfuss im Dschungel unterwegs sind. Diese Kogi-Siedlung (siehe Foto) ist kein richtiges Dorf, da sich das Volk als Nomaden versteht. Hier trifft sich die Gemeinschaft regelmäßig für religiöre Rituale und um gesellschaftliche Dinge zu besprechen. Ansonsten lebt man verstreut im Dschungel, wobei Mann und Frau häuslich getrennt sind. Die Frau in einem Haus mit den Töchtern, der Mann in einem zweiten Haus mit den Söhnen. Und um Sex zu haben, gehen die Kogis auf einen der umliegenden Berge. Denn dort ist die Frau der Erde am nächsten (und für ihre Vorstellung wohl auch am fruchtbarsten ;-) ).

Nach der Kogi-Siedlung erreichten Judith und ich endlich das Camp für das Mittagessen. Oder wir glaubten, unser Camp zu erreichen. Wir wurden bereits mit der Frage empfangen, ob wir die verlorengegangen Touristen seien. Wir hatten circa eine Stunde vorher bereits ein Camp passiert, in dem aber keine Menschenseele zu sehen war (es war unser Mittagscamp, jedoch waren die „Schnelläufer“ unserer Gruppe unten am Fluss baden und die Nachzügler noch weit entfernt). Das war aber alles kein Problem. Ein Koch einer anderen Gruppe sorgte dafür, dass wir ebenso lecker zu essen bekamen, wie unsere Gruppe im ursprünglichen Camp und irgendwann holten uns unsere „Schnellläufer“ wieder ein und wir nahmen den Endspurt für diesen Tag in Angriff.

Weitere 3 bis 4 Stunden Fussmarsch warteten auf uns. Zumindest wurde es nun langsam felsiger und damit weniger schlammig. Trotz der 14 km auf und ab, die wir zurücklagen, erreichten Judith und ich gut gelaunt das letzte Camp vor der Ciudad Perdida „El Paraiso“. Hier übernachten alle Gruppen, wodurch es ein reges Treiben und Durcheinander gab. Wir bezogen fix unser Nachtlager (welche hier sogar in 2 Etagen mit jeweils zwei Matratzen übereinander angelegt sind) und eilten in den „Speiseraum“, wo unser Koch Alex eine riesige Schüssel salziges Popcorn für unsere Gruppe servierte. Ich muss echt sagen, dass die Verpflegung auf dieser Tour top ist. Langsam wurde es dunkel und wir zweifelten daran, dass die zwei älteren Kanadier-Pärchen es noch mit unserem Guide zum El Paraiso schaffen (zwischendrin gab es noch ein kleines Camp, in welchem sie hätten unterkommen können). Wir waren bereits mit dem Abendessen fertig, als im Dunkel nicht nur vereinzelte Glühwürmchen, sondern auch 5 wackelnde Stirnlampen zu sehen waren. Die Kanadier hatten sich echt noch den ganzen Weg durchgebissen und kamen unter Applaus aller Wandergruppen im Camp an.

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