Ciudad Perdida I: Ab in den Dschungel

Ciudad Perdida – die verlorene Stadt mitten im Dschungel der Sierra Nevada de Santa Marta führte bei ihrer Entdeckung in den 70ern zu einem unerbitterlichen Glodgräberkrieg, bei dem nicht wenige Goldgräber ihr Leben ließen. Heute pilgern hauptsächlich Touristen zu der präkolumbianischen Stätte des indigenen Volkes Tairona, welche in Zeiten der Kolonisation von den Spaniern ausgerottet und ihre zentrale Siedlung vergessen und vom Dschungel überwuchert wurde. Den Blick auf die Ciudad Perdida muss man sich aber redlich verdienen. Sie ist nur über einen mehr als 40km langen Fußmarsch (hin und zurück) mitten durch den Dschungel zu erreichen, je nach Kondition in 4 bis 6 Tagen. Wir buchten die 4-Tagestour (individuell darf man nicht wandern) und fuhren mit unseren 8 weiteren Mitstreitern (3 deutsche Mädels aus Regensburg, 2 ältere und ein junges Kanadisches Pärchen und einem alleinreisenden Amerikaner), unserem Guide, Übersetzer und Koch zum Eingang des Nationalparks El Mamey. Noch schnell bei der Mama unseres Guides zu Mittag gegessen und los ging das Dschungelabenteuer (wobei unser Essen schneller war als wir. Dieses wurde auf Mulis oder Pferden wie auf diesem Foto zum ersten Nachtcamp transportiert).

Heute ist es zum Glück bedeckt und wir können die Umgebung genießen. Nebelschwaden ziehen über die Gipfel des Dschungels, riesige Bäume erheben sich über uns und zahlreiche, teils riesige und farbenprächtige Schmetterlinge umflattern uns. In der Ferne fallen die einzelnen Bäume auf den Bergkämmen auf. Diese werden als natürliche Zaunspfähle genutzt, um Kühe vor dem Weglaufen zu hindern.

Neben dem regen Treiben auf den Wegen durch die Wanderer (es gibt vier große Touranbieter, die alle am gleichen Tag mit mindestens einer Gruppe gestartet sind), sind die Tiere des Waldes nicht weniger geschäftig. Insbesondere die Ameisen sind fleissig dabei, heruntergefallene Blätter zu zerkleinern und auf deren Rücken auf der Ameisenautobahn weg zu transportieren.

Der kleine grüne Kolibri (sorry für die Bildqualität, ist stark rangezoomt) sucht hingegen in der großen Blüte nach leckerem Futter. Ich fühle mich stellenweise wie im Botanischen Garten inklusive Schmetterlingshaus, nur das alles viel größer und einfach echt ist ;-) Auch wenn der Schweiß schon fleissig am Laufen ist, genießen wir jeden neuen Ausblick.

Nach circa zwei/drei Stunden Fussmarsch verwandelt sich der bisher trockene Weg in ein Matschfeld, welches uns überwiegend auch die nächsten Tage begleiten wird. Wir alle versuchen den Matsch zu Beginn bestmöglichst zu umgehen, um unsere Schuhe zu schonen. Im Nachhinhein eine süße, aber schier nutzlose Geste. Nach 4 Stunden erreichen wir das erste Nachtcamp. Wir beziehen unser Matratzenlager inklusive Mosquitonetz (wir sind vier Tage lang dauerhaft eingecremt, da die Mücken hier unerbitterlich sind) und lassen es uns nicht nehmen, nach dem anstrengenden Marsch noch in den natürlichen Pool zu springen (für die Mutigen 3 Meter hinab von einem Felsen, für die anderen mittels einer Leiter ins kühle Nass, mit natürlicher Massage durch den anliegenden Wasserfall).

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