Debattierende und auf Handys starrende Mönche

Tausende Gebetsfahnen umgeben das Drak Yerpa in der Nähe von Lhasa

Am nächsten Morgen ging es Susi zum Glück besser und Kathleen und ich versorgten sie mit Frühstück am Bett. Noch ohne unser krankes Huhn fuhr unsere kleine Gruppe am Vormittag zum Drak Yerpa Herimitage. Das sind Buddhistische Höhlen, in denen schon große Gurus meditiert haben. Als wir an dem von Lhasa 16km entfernten Berg ankamen, beeindruckten uns wohl am meisten die tausenden Gebetsfahnen, die über den gesamten Berg gespannt waren. Wer hat die da alle angebracht? Unter diesem Farbenmeer gingen in unseren Augen fast die Gebäude des Drak Yerpa unter.

Esel kreuzen unseren Weg

Wir wurden aber bald in die Realität zurückverbannt, gab es doch hier auch wiede zahlreiche Treppen. Wir schlichen wieder hinauf (Drak Yerpa lag immerhin schon auf über 4.800m), vorbei an den Verkäufern für Gebetsfahnen und einer Herde von Eseln. Die wurden dort eingesetzt, um Steine nach oben zu transportieren. Dementsprechend traurig schauten sie auch drein.

Kerzen "gefüttert" mit Yakbutter oder Ghee

Die Höhlen selbst waren sehr klein und meist nur durch die Kerzen, die unaufhörlich von Gläubigen „gefüttert“ wurden, beleuchtet. Unsere Reiseleiterin hatte Ghee (ein Yakbutterersatz aus Pflanzenöl) gekauft, welches wir verteilten und uns die schnelle Genesung von Susi wünschten.

Eine riesige Mauer mitten im Nichts

Vom Drak Yerpa hatten wir auch einen super Blick auf die umliegenden Berge. Auf einem konnte ich eine extrem lange Mauer ausmachen, die wohl ein Yak-Besitzer errichtet hat. Irgendwie kaum vorstellbar, dass es in den Tibetischen Weiten doch sowas wie Begrenzungen gibt.

Weiß getünchte Häuser im Sera Kloster in Lhasa

Gegen Mittag fuhren wir nach Lhasa zurück und ich aß das erste Mal Yakfleisch in Form eines Dal Baht. Leider war das Fleisch ziemlich fettig, weswegen es wohl auch meine einzige Erfahrung mit diesem Fleisch bleiben sollte. Am Nachmittag stand das Sera Kloster in Lhasa auf dem Programm. Das einst 5.000 Mönche umfassende Kloster, zählt heute nur noch 500 Männer mit Kutte, wobei man selbst heute das Gefühl hat, ein eigenständiges Dorf zu betreten. Die Gebäude sind wie so oft in Tibet weiß getüncht und um die Fenster hängen kleine Stoffbahnen in vielfältigen Farben. Anfangs wurden wir in einen Raum geführt, indem 3 riesige Sand-Mandalas ausgestellt sind. Diese werden von mehreren Mönchen in tagelanger Kleinstarbeit hergestellt und nach wenigen Tagen wieder zerstört. Nur die drei ausgestellten wurden für den Tourismus erhalten. Scheinbar nur mit einem geringen Stellenwert, da die andere Hälfte des Raumes als Lagerstätte für Wasser, Ghee und allerlei anderer Dinge benutzt wird.

Debattierende Mönche im Sera Kloster

Das Highlight im Sera Kloster war eindeutig das Debattieren der Mönche. Dieses wird immer zu einer festen Uhrzeit zelebriert, wobei der stehende Mönch mit großem Einsatz von Mimik und Gestik fragt und der sitzende Mönch antwortet. Dabei geht es immer um die mögliche Interpretation und Auslegung der heiligen Schriften. Diesem lautstarken Gewusel lauschten wir einige Zeit, bis wir wieder los mussten (typische Gruppentour-Zeitbegrenzung ;-) ). In einem der umliegenden Souvenirständen fand ich aber endlich schöne Postkarten (Postkarten gehören definitiv zu den unentdeckten Geschäftsideen in Tibet) und verbrachte den Abend mit schreiben.

Smartphone besessene Mönche in Lhasa

Vorher hatten wir in unserer kleinen Gruppe noch ein Kennenlerndinner (eigentlich kannten wir uns schon ganz gut ;-) ) in einem tibetischen Restaurant. Beim Reinkommen sah ich drei Mönche an einem der vielen Tische sitzen, jeder mit seinem Smartphone beschäftigt. Dieses Bild hat sich uns leider auch viel zu oft in den Klöstern gezeigt, was irgendwie die Unnahbarkeit der Mönche entthront. Beim Essen lernten wir noch unseren neuen guide Jimmy kennen. Da Yankhi ein kleines Kind hat, kann sie uns nicht auf der ganzen Tour begleiten (morgen verlassen wir Lhasa). Leider, wie sich später noch herausstellen sollte…

Tags: , , , ,

Comments are closed.