Lhasa dann doch etwas Tibetisch

Der Jokhang Tempel in Lhasa

Obwohl Lhasa auf 3.650m Höhe liegt und die Ankunft mit dem Flieger alles andere als einfach ist für den Körper (da er keine Zeit hat, sich nach und nach an die Höhe zu gewöhnen), konnte ich in der ersten Nacht ganz gut schlafen. Scheinbar hatte sich mein Höhentraining in den Bergen Nepals ausgezahlt ;-)
Nach dem Frühstück wurden unsere Gruppen eingeteilt. Neben Kathleen waren noch zwei Inderinnen, ein Indonesier und eine Ungarin in meiner Gruppe. Letztere war aber noch nicht gelandet, weil ihr Flieger einen Tag zuvor wegen eines Sandsturms in Lhasa (wo war der?) umgeleitet werden musste. Mit ihr teilte ich mir in den folgenden Tagen auch ein Zimmer, da dies wesentlich günstiger war.
Erstmal ohne sie fuhren wir zum Johkang Tempel, dem heiligsten Tempel der Buddhisten in Tibet (siehe Foto). Dieser wurde von König Songtsen Gampo gebaut, der auch im 7. Jahrhundert den Buddhismus nach Tibet brachte.

Sich niederwerfende Tibeter vor dem Jokhang Tempel

Der Tempel ist von der lebhaften Barkhor Street umgeben, welche von kleinen, farbprächtigen Lädchen und Restaurants gesäumt ist. Diese Straße gehen die gläubigen Tibeter von links entlang und umrunden unzählige Male den Tempel. Aber es geht noch aufreibender. Nicht gerade wenige Tibeter suchen sich direkt vor dem Eingang des Palastes einen Platz, breiten ihre dünne Matte aus und werfen sich bis zu tausende Male (!) komplett zu Boden, stehen wieder auf und werfen sich wieder nieder. Dies soll ihr Karma positiv beeinflussen.

Zahlreiche Thermosflaschen mit geschmolzener Butter auf dem Gelände des Jokhang Tempels

Im Inneren des Palastes, wo übrigens Fotoverbot herrscht, drängen sich die Tibeter mit ihren Thermosflaschen mit geschmolzener Butter in der Hand, um von einem kleinen Altar zum nächsten zu pilgern und jeweils ein wenig Butter in die Kerzenschalen (die Butter dient als Wachs) zu gießen oder um andere Opfergaben abzulegen. Yankhi, unsere Reiseführerin für die Tage in Lhasa, erklärt uns die verschiedenen Buddhas und allerlei mehr. Im Dunkel des Palastes fühle ich mich erstmals, im wirklichen Tibet angekommen zu sein, da neben den wenigen Touristen nur Tibeter und dann auch meist in traditioneller Tracht zu sehen waren (viele pilgern aus ihren Dörfern hunderte oder auch manchmal tausende Kilometer nachh Lhasa, um mindestens einmal in ihrem Leben die heiligen Stätten des tibetischen Buddhismus zu besuchen).

Der riesige Potala Palace in Lhasa

Nach dem Mittagessen (vegetarische Momos, die ich auch schon oft in Nepal gegessen hatte), holten wir Susi, meine ungarische Zimmergenossin ab und fuhren zum Potala Palace. Unsere angemeldeten Tickets waren gültig ab 13.30 Uhr und wir durften nur genau eine Stunde in den ehemaligen Gemächern des Dalai Lama verweilen (die Außentreppen waren davon zum Glück ausgenommen). So viel mal wieder zum Kontrollwahn der Chinesen. Als wir mit dem Bus ankamen, erhob sich der riesige Palast in seiner ganzen Pracht vor uns und ich versuchte mir das Treiben um diesen vor hundert Jahren vorzustellen. Weniger positiv zumute war uns bei der Vorstellung, dass wir trotz der dünnen Luft in Lhasa die ca. 350 Stufen bis ganz hinauf bei praller Sonne bewältigen mussten. So gingen wir alle ziemlich langsam, jedoch wurde Susi immer blasser und sie sprach von Kopfschmerzen. Kein Wunder. Hatte ihr Körper doch keine Nacht zur Akklimatisation bekommen wie unserer. Ich versorgte sie mit Wasser, hoffte auf Besserung ihrerseits und wir erreichten die Räume des Dalai Lama, in welchen man wie gewohnt keine Fotos machen durfte.

Zwei typisch gekleidete Tibeterinnen

Wenn ich schon nicht die prachtvoll und sehr farbenfroh ausgestatteten Räume des Dalai Lama fotografieren durfte, versuchte ich zumindest ein paar typische Tibeter vor die Linse zu bekommen. Diese zwei Damen tragen die traditionelle Chuba, ein armloses Gewand, was am Bauch gebunden und meist mit einer gestreiften Schürze vollendet wird. In der rechten Hand halten die Tibeter gewöhnlich das Gebetsrad (welches natürlich immer links herum gedreht wird) und in der linken Hand die 108 Perlen zählende Gebetskette.

Die belebte Barkhor Street von oben

Am späten Nachmittag ging ich mit Kathleen nochmals in die Altstadt (das heißt dann meist in Richtung Barkhor Street) und schlenderten von Laden zu Laden. Ich suchte vergeblich Postkarten (entweder gab es sie nur im 20er Pack oder gar keine) und Kathleen war auf der Suche nach einer Chuba und Ohrringen. Mit den Ohrringen waren wir erfolgreich, mit der Chuba nicht. Kathleen besitzt wohl seit mehreren Jahren eine Chuba und zieht diese gern im Winter an, weil sie so warm ist. In Tibet wollte sie sich nun eine neue besorgen. Für das Abendessen fanden wir ein schönes Restaurant, von welchem wir auf das bunten Treiben der Barkhor Street hinunterblicken konnten.

Typische tibetische Männer und Frauen in der Nähe der Barkhor Street

Ich schoss noch ein paar Fotos von den vielen Tibetern, die in der Altstadt zu sehen waren (die Trennung zwischen Tibetern und Chinesen wird in Lhasa doch recht stark deutlich), bevor wir zurück zum Hotel kamen. Susi, meiner Zimmernachbarin, ging es nicht viel besser und sie ging früh ins Bett. Ich schlief erst eine Stunde, als Susi auf dem Rückweg von der Toilette zusammenbrach und nur noch zu mir sagten, ich solle einen Krankenwagen anrufen. Ich lief schnell zur Rezeption, wo die Leute mehr als passiv waren. Erst nachdem ich unseren Guide angerufen hatte, bemühten sie sich mal, einen Krankenwagen zu benachrichtigen. Gleichzeitig fiel mir ein, das Kathleen (sogar noch praktizierende) Krankenschwester ist. Ich riss sie aus dem Schlaf und gemeinsam hieften wir Susi wieder ins Bett. Gleichzeitig beruhigte Kalthleen mich, dass ihr Puls stabil und Susi lediglich dehydriert sei. Somit versorgten wir sie mit Traubenzucker, Elektrolythen und viel Wasser. Irgendwann kam noch unsere Reiseleiterin mit einer Flasche Sauerstoff. auch diesen bekam Susi verpasst und es ging ihr langsam besser. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, tauchte dann auch noch der Krankenwagen auf (den hatte ich schon ganz vergessen). Die wollten Susi mit ins Krankenhaus mitnehmen, aber da es ihr schon wieder besser ging, war das nicht nötig. Zum Glück. Wer will schon ein asiatisches Krankenhaus von Innen kennenlernen?

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