Durch Rhododendronwälder hinunter nach Melanchigaon

Tausende Treppenstufen führen von Thadapati hinunter nach Melanchigoan

1.000 Meter Abstieg standen uns heute bevor, wobei ich vorsorglich meine Knien mit einem Stützverband versah (damit sie nicht wieder anschwellen konnten). Was auch ganz gut war, ging es doch fast ausschließlich über Stufen wie diesen hinab. Gleichzeitig war der Gedanke, dass wir ab sofort nur noch bergab gehen würden, ganz erfreulich. Mit jedem Höhenmeter, den es weiter nach unten ging, wurde es wärmer und der Schnee verschwand gänzlich.

Baumzielwerfen mitten auf dem Wanderweg

Wir liefen durch einen dichten Wald, als Ramu ein paar Meter vor uns plötzlich stehen blieb und eifrig dabei war, Steine aufzuheben. Ein Stück den Weg hinunter standen zwei ausgehöhlte, abgestorbene Baumstämme, die bereits von vielen Wanderern zum Baumzielwerfen verwendet wurden. Wir warfen zu Dritt fröhlich um die Wette (mal mehr, mal weniger zielsicher) und waren froh, dass unser Träger Schririn uns mal wieder weit voraus war, sodass wir ihn mit unseren Steinen nicht treffen konnten.

Ein typischer Korb, den die nepalesischen Träger die Berge hinauf transportieren

An einer weiteren Chörte (die gern auch als Pausenort genutzt werden), trafen wir zwei Nepalesische Träger, die mit ihren vollgefüllten Körben auf dem Weg nach oben waren. Sie transportieren größtenteils Kekse, was noch eine recht machbare Last ist. Irgendwann in den letzten Tagen begegnete uns ein komplett durchtrainierter Nepali der den Korb fast vollständig mit Colaflaschen gefüllt hatte. Da die Träger je Kilo bezahlt werden, war dies vermutlich eine recht einträgliche Ladung (seinen Job würde ich dennoch nicht machen wollen).

Rote, Weiße und Rosa Rhododondrenblüten wohin das Auge reicht

Über weitere rot, weiß und rosa blühende Rhododendronbäume erreichten wir das auf 2.530m gelegene Melamchigaon und damit die Zivilistion. Es gab wieder Handyempfang und die Solarzellen für eine heiße Dusche blitzen uns schon von Weitem an (nach 5 Tagen ohne Dusche hatten wir es auch bitter nötig). Zudem war Melamchigaon ein erstaunlich größer Ort, in dem es bestimmt 40-50 Häuser gibt und dementsprechend auch viele Lodges (minimum 10). Komischerweise hatten wir hier die meisten Probleme, um eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Die eine Lodge wartete auf größere Gruppen, die anderen Lodgebetreiber waren angeblich mit der Kartoffelernte beschäftigt (nur komisch, dass alle Kartoffelpflanzen im Dorf noch viel zu klein für die Ernte waren), die nächste Lodge wollte keine Einzelzimmer vermieten. Bei der letzten und kleinsten Lodge fanden wir endlich einen Schlafplatz, wie eine Stunde später auch noch eine Alleinreisende Niederländerin, die bei den anderen Lodges das gleiche Problem hatte (scheinbar wollte keiner unser Geld haben).

Das Kloster von Melamchigoan

Dafür waren wir jetzt bei einer super lieben Familie untergekommen und fühlten uns pudelwohl. Nachdem wir uns geduscht, Wäsche gewaschen und zu Mittag gegessen hatten, machten Benjamin und ich noch einen Spaziergang durch das Dorf. Wir besuchten das dorfeigene Kloster (siehe Foto) und die Grotte des Guru Rinpoche, der den Buddhismus nach Tibet und Bhutan gebracht haben soll. Im Tante Emma Laden des Dorfes zahlte ich erstmals wieder nur 50 Cent für eine Flasche Wasser (am Morgen in Thadepati waren es noch 2,50 Euro) und wir mussten uns langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass mit dem morgigen Tag bereits der letzte Trekkingtag anbrechen würde.

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