Der Abstieg nach Syabru Beshi

Eine kleine Blume zwischen den tauüberzogenen Wiesen

Die Nacht war kalt, richtig kalt. So kalt, dass ich beim Aufwachen meinen Atem sehen konnte. Was aber auch nicht verwunderlich war. Bestand unsere Lodge doch nur aus dünnen Holzwänden. Da Ilse und ich auch noch ein Zimmer mit 3 Außenwänden hatten (und ganz vielen Fenstern für einen super Blick), war die Innentemperatur vermutlich gleich der Außentemperatur. Ungern „schälten“ wir uns noch vor dem Sonnenaufgang (das heißt, dass die Sonne über die Berge scheint) aus unseren Schlafsäcken. Mit ganz vielen Schichten an Klamotten versehen, machte ich einen kleinen Spaziergang auf den reifbedeckten Wiesen. Auch kleine Blümchen waren zwischendrin zu finden. Langsam kämpfte sich die Sonne durch, der Reif begann zu schmelzen und wir wurden so schön gewärmt, sodass wir gleich wieder draussen frühstücken konnten.

Eine Kuh grast mitten im Wald

Da wir auf dem Gipfel eines Berges übernachtet hatten (aus Nepali-Sicht eigentlich nicht. In Nepal wird ein Berg erst als Berg bezeichnet, wenn dauerhaft Schnee auf dessen Kuppe liegt), führte uns der Weg heute wieder steil nach unten. Ganze 1.500 Höhenmeter sollten wir heute zurücklegen, ein Albtraum für jedes Knie. Aber der Reihe nach. Eine Weile durchquerten wir mit deutlich schnellerem Tempo als an den Tagen zuvor einen dicht bewachsenen Mischwald. Mitten im nirgendwo hörte ich dann plötzlich das klingeln einer Glocke. Ich schaute mich um und erblickte zwischen den dicken Bäumen vereinzelte Kühe, die gemächlich grasten. Sie liessen sich durch nichts aus der Ruhe bringen und wir waren schnell wieder verschwunden.

Eine buddhistische Chörte

Nachdem wir das Dorf Thuman auf 2.340m durchquert hatten, öffnete sich die Landschaft vor uns. Die Bäume verschwanden nach und nach und immer mehr Felder umringten uns. Zwischen ihnen befanden sich teilweise recht große buddhistische Chörten (sakrale Bauten des tibetischen Buddhismus). Diese muss man immer von links umrunden, gemäß dem Verlauf der Sonne. Manchmal dienen sie aber auch ganz praktischen Belangen. Die abgebildete Frau sitzt im kühlenden Schatten (die Sonne brannte auch an diesem Tag wieder recht ordentlich) und stillt ihr kleines Baby.

Der "Highway" nach Tibet

Nach ca. 4 1/2 Stunden Abstieg erreichten wir endlich den ebenen Highway (in Nepal wird alles als Highway bezeichnet, was irgendwie nach einer Strasse ausserhalb eines Ortes aussieht, auch wenn es die Strassenverhältnisse gerade mal erlauben, im Schnitt 20km/h zu fahren). Dieser führt von Syabru Beshi (unser erneutes Ziel für heute Abend) zur Tibetischen Grenze. Den Bau haben die Chinesen stark vorangetrieben, um einen zweiten Zugang (neben dem Friendshiphighway zwischen Lhasa und Kathmandu) hinein nach Nepal zu erhalten. Diesen liefen wir (auf dem Foto ist Ilse zu sehen) noch eine halbe Stunde in Richtung Landesinnere, bis wir das Tagesziel erreichten. Und dieses verwöhnte uns ganz und gar. Ich konnte mir nicht nur eine nepalesische Handykarte besorgen, um daheim mal ein Lebenszeichen von mir zu geben (meine deutsche Karte hatte leider nur in Kathmandu Empfang und selbst mit einer nepalesischen Handykarte hat man es in den Bergen oft schwer), sondern es wartete eine richtige und sogar warme Dusche auf uns :-)

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