Stufe um Stufe hinauf nach Nagthali

Die heißen Quellen von Tatopani

Bevor wir gegen halb 8 unseren Weg fortsetzten, schaute wir nochmal kurz an den heißen Quellen vorbei, über welchen zahlreiche Gebetsfahnen trohnten. Auch wenn das Wasser nach einer ziemlich dreckigen Brühe aussieht, schwören die Nepalis auf die heilende Wirkung dieses Wassers. Viele kommen einmal im Jahr extra aus Kathmandu hierher, um ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Aber auch die Einheimischen sind hier sehr zahlreich zu finden. Kein Wunder. Wo sonst bekommt man in den Bergen ein kostenloses, heißes Bad (na gut, die gelbe Haut nach dem Bad sieht vielleicht nicht ganz ansprechend aus ;-) )? Unsere Lodge dachte sich wohl daher auch gleich: Wer von den Gästen braucht schon noch Wasser zum Waschen? Für die Morgentoilette musste ich ziemlich lang nach ein paar Tropfen Wasser suchen. Nachdem wir den gestrigen Abend schon ca. zwei Stunden auf unser Essen warten mussten, war diese Lodge im Bereich Service eindeutig durchgefallen.

Mit jeder Stufe wurde die Aussichtauf die verschneiten Berge besser

Dies war mit den vielen Stufen, die vor uns lagen, aber schnell vergessen. Stetig ging es bergauf, Stufe um Stufe. Lange drei Stunden. Zumindest wurde die Aussicht mit jeder einzelnen Stufe besser. Um uns erhoben sich die schneebedeckten, bis zu 7000 Meter hohen Berge, die ein atemberaubendes Panorama boten. Wir passierten den kleinen Ort Brimdang und dessen Aussichtsplattform und weiter ging es… weitere Stufen hinauf. Irgendwann hatten wir einen Gipfel erreicht, die ersten Häuser lagen vor uns und wir hofften auf eine baldige Mittagspause. Wir trafen ein Spanisch/Niederländisches Pärchen wieder, welches eine Nacht zuvor in der gleichen Lodge genächtigt hatte. Sie sagte nur halb verzweifelt „I counted 58 times up to 108. So many steps…“.

Unsere bunt angemalte Lodge für diese Nacht

Aber unsere leichte Verzweiflung ob der anstrengenden Tour war innerhalb von 3 Minuten verschwunden. Wir erreichten eine neu erbaute Lodge ein paar Meter weiter und unser Guide verkündete uns, dass wir dort auch nächtigen würden. Unsere kleine Gruppe war hocherfreut. Es war gerade mal 11 Uhr und ein quasi freier Tag lag vor uns (unsere Füsse freuten sich glaube ich noch viel mehr ;-) ). Wir richteten uns in der bunt angemalten Lodge häuslich ein, schäkerten mit den Kindern der Betreiberfamilie herum (vier Töchter im Alter von einem Monat bis ca. 6 Jahren), wuschen unsere Wäsche, legten einen Mittagsschlaf ein und erkundeten ein wenig die Umgebung.

Der Sonnenuntergang in Nagthali (3.165m)

Diese war mehr als sehenswert. Mit seinen über 3.100 Höhenmetern hatte ich von Nagthali aus einen fast kompletten 360-Grad-Blick über die schneebedeckten Gipfel des Langtang. Selbst einzelne Berge des 30-40 km entfernten Tibets waren zu sehen. Gleichzeitig war dieser hochgelegene Ort die erste Bewährungsprobe für unseren Körper. Kann es doch bereits ab 2.500m zur Höhenkrankheit kommen. Diese hatte ich ohne Probleme überstanden, da ich keine der üblichen Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen oder Schlaflosigkeit feststellen konnte.

Ein Solarufo - Die einzige Stromquelle in der Lodge

Aber nicht nur der Ausblick, sondern auch die Lodge und die Inhaberfamilie waren besonders. Erst im Oktober eröffnet, gab es noch keinen Strom, sondern nur diese kleinen „Solar-Ufos“. Diese spendeten uns beim Abendessen ein wenig Licht. Die Mädchen der Familie waren den ganzen Tag, jeweils mit einem Korb ausgestattet, unterwegs. Sie sammelten Laub, welches sie in ihrem Garten als Dünger verteilten. Auch wenn sie uns nicht verstanden, machten sie uns mit den einzigen zwei englischen Wörtern, die sie beherrschten („no photo“) deutlich, dass sie nicht fotografiert werden wollten. Daher gibt es leider auch kein Foto von den Kleinen.

Unser erstes Yak in Nepal.

Auf den vielen kargen Wiesen rundherum sahen wir unser erstes Yak (oder vielleicht war es auch ein Nak, denn so heißt ein weibliches Yak), wir besuchten einen kleinen, direkt neben der Lodge stehenden Tempel mit Buddhas aus Lehm und wir bekamen super gutes Essen vorgesetzt. Zum Mittag gönnte ich mir ein köstliches Tibetisches Brot (eine Art ausgebackenes Brot) mit Spiegelei darauf. Am Abend gab es angebratene Kartoffeln mit Gemüse und Käse und zum krönenden Abschluss Momos (typisch Nepalesische/Tibetische Teigtaschen) gefüllt mit Snickers. Ein Traum!

In den Bergen bricht die Nacht an.

Am warmen Holzofen im Gemeinschaftsraum ließen wir den Abend ausklingen (jedoch wie fast immer ohne unsere Träger und unseren Guide, die mit den anderen Nepalis in der Küche hockten), während draussen der fast volle Mond und die zahlreichen Sterne aufgingen und das Thermometer auf bis zu 0 Grad fallen ließen.

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